Ingeborg Mnz-Koenen. "Realismus in der Diskussion: Literarische Theoriebildung in der DDR -- Rckblick auf die šbergangsperiode." In Litreratur im Wandel: Entwicklung in  europ„ischen sozialistischen L„ndern 1944/45-1980. Herausgegeben von Ludwig Richter u.a. Berlin & Weimar: Aufbau- Verlag, 1986. Pp. 27-54. In general, about the currents of thought regarding "Realismus", socialist and otherwise; Lukacs and his opponents; current diversity of actual if not official opinion. 29-30. [About Kafka and his rehabilitation in the GDR.] "Peter Weiss findet innerhalb seiner fiktiven Romanwelt eine dialektische L”sung: Er l„át seine Zentralfigur zur gleichen Zeit den Roman `Barrikaden am Wedding' von dem proletarisch- revolution„ren Schriftsteller Klaus Neukrantz lesen, und erst die Korrespondenz beider Vorstellungs- und Erlebniswelten, der unbekannten brgerlichen und der eigenen proletarischen, macht den Arbeiterleser f„hig, ber die ganze Wirklichkeit zu identifizieren. Wie Hermlin [30] berhrt Weiss mit seiner Kritik an der Ausgliederung der Moderne ein tieferliegendes Problem: Beide Autoren fragen danach, wie gesellschaftliche Aneignungsweisen beschaffen sein mssen, die weder auf ein klassenm„áige Wertung von Kunst verzichten noch das „sthetische Wahrnehmungs- und Erkenntnisverm”gen reduzieren." [How do you have you socialist cake and eat it too: how do you maintain any pretense of reality-representation when you are busy promoting a political, and idealized, world view? The flip side of the question is the judgment from the plitical side -- literature not fitting a narrow definitionof "reality" is immediately suspect.] 33. "Es war Lukacs' Verdienst, daá dem deutschen Nachkriegsleser erm”glicht wurde, literararische Darstellung, realen geschichtlichen Prozeá und individuelles oder nationales Schicksal zusammenzudenken." 34-35. [On Lukacs' position respecting Socialist Realism.] "Das legitime Engagement Lukacs' fr eine ad„quate Lesart des [Mann's] `Faustus' lieá adererseits nicht sofort erkennen, daá er den Nachweis von dessen geschichtlicher Repr„sentanz mit seiner spezifischen Auffassung von Realismus belegte. Die Schlssigkeit der geschichtsphilosophischen Argumentation verdeckte zun„chst die kunsttheoretische Fehlstelle. Sie kommt aber z.B. in folgender [35] Formulierung zum Vorschein: Als groáes Verdienst wertet Lukacs, daá Thomas Mann `nur das gestaltet, was in der deutschen Wirklichkeit wirklich und nicht bloá als Forderung vorhanden ist; dies gestaltet er bis zu seinen Wurzeln, aber ohne eine gestalterische Vorwegnahme der Zukunft. Dies ist die groáe realistische St„rke Manns.' Die Polemikrichtung ist erkennbar -- Lukacs wendet sich hier gegen ein voluntarisches Hineinprojizieren der Perspektive in die noch unbew„ltigten Widersprche der Gegenwart, er wird diesen Einwand gegen die sowjetische Theorie des sozialistischen Realismus expressis verbis auf dem IV. Deutschen Schriftstellerkongreá 1956 wiederholen. Sein Hinweis auf die Objektivit„t der Wirklichkeit kann jedoch nicht verbergen, daá Lakacs die Geschichte seinerseits ohne historisches Subjekt denkt. Bezeichnend fr seine Realismusauffassung ist, daá sie sich auf einem vom objektiven Idealismus abgeleiteten Wirklichkeitsbegriff grndet. Die gesellschaftliche Entwicklung wird bei ihm als eine Selbstbewegung der Wirklichkeit gesehen, deren gleichsam teleologisch vorgepr„gte Gesetzm„áigkeit durch die jeweils progressiven Klassenkr„fte lediglich realisiert wird. Erkenntnis der objektiven Wirklichkeit heiát bei ihm Erkenntnis ihres philosophischen Wesens -- im Unterschied zur Beschreibung der Erscheinungsoberfl„che." [Hence Lukacs was an idealist in materialist clothing. He allows the subject, acting and actied upon, to drop out of the picture, eliminatiung a certain dialectical complexity in the process of history.] 35. "Der philosophische Kosmos einer um ein abstraktes Wesen gruppierten Wirklichkeit findet sein knstlerisches Abbild in der in sich geschlossenen epischen Gedankenwelt der realistischen Romans, der auf diese Weise die Totalit„t der Welt zur sinnf„lligen Erscheinung bringen soll. In diesem Sinne wird Realismus als `richtige Widerspiegelung' bersetzt -- die Berufung auf die Leninsche Widerspiegelungtheorie verbirgt die Tatsache, daá hier die Wiedergabe eines idealistisch verkrzten Wesens der Geschichte gemeint ist." 37. [Lukacs vs. Hanns Eisler on Sch”nberg.] "Lukacs erblickt im neuen musikalischen Ordnungsprinzip eine ideologische Parallele zur formalen Ordnung der faschistischen Herrschaft, Eisler sagt ber Arnold Sch”nberg: `Er ist der Lyriker der Gaskammern von Auschwitz, der Konzentrationslager von Dachau, der ohnm„chtigen Verzweiflung des kleinen Mannes unter dem Stiefel des Faschismus. Das ist seine Humanit„t . . . Was immer man gegen ihn auch vorbringen m”ge, er hat nicht gelogen.'" 38. [Eisler's apology for sp„tbrgerliche avancierte Literatur.] "Er kann auf diese Weise auch die Funktionsgebundenheit der Kunst, ihre Bindung an bestimmte Klasseninteressen, von ihrer F„higkeit, Abbilder der Realit„t zu liefern, unterscheiden. Die Schwierigkeiten der modernen Kunst, verstanden zu werden, ihre Unzug„nglichkeit fr ein groáes Publikum, sind nicht nur als gewollte Esoterik oder gar als ein Verzicht auf Wirklichkeitsdarstellung zu erkl„ren, sondern finden ihre materialistische Begrndung im Prozeá der Arbeitsteilung und Spezialisierung, der als soziale Folge auch den Verlust an Kommunikation produziert. [!!!!!] Mit anderen Vertretern der sozialistischen Avantegarde, die als hochspezialisierte Knstler den šbergang zur Arbeiterklasse vollzogen haben, ist sich Einig darin einig, daá die knstlerischen Formen ihre Abbildungsf„higkeit angesichts einer ver„nderten Wirklichkeit immer aufs neue beweisen mssen. Ihre Um- und Neubildung ist in den gltigen Leistungen der sp„tbrgerlichen Moderne keine leere Formspielerei. Die avancierten knstlerischen Mittel machen Bereiche der Wirklichkeit abbildbar, die den konventionellen verschlossen bleiben." [I am amused by the crude connection between the "specialization" and incomprehensibility of modern art and the specialization of labor in late capitalist society, with its accompanying barriers to comunication. This is quite a leap! This doesn't seem like a fruitful path for speculation, to assume that some simple analogy between the material/historical and the literary can be so neatly described. Connections there must be, but not this simple-minded.] 40. In the BRD, the traditional view of the brgerlicher modern artist that he is excluded form the capitalist economic and political system, hence artistically and intellectually independent, is exploited as a means of veiling the actual integration of the artist into capitalism. Hence "artistic freedom" becomes artistic an credo in the service of political (specifically anti-communist) aims. Exemplary is Gottfried Benn in his "Berliner Briefe": "Darin hatte er die politische Situation nach dem zweiten Weltkrieg analysiert und war im Ergebnis zu einer Ablehnung jeglichen politischen Engagements gekommen. Das `Abendland' ging Benn zufolge nicht an den Herrschaftssystemen oder der materiellen Verelendung zugrunde, `sondern an dem hndischen Kriechen seiner Intelligenz vor den politischen Begriffen. Das zoon politikon, dieser griechische Miágriff, diese Balkanidee -- das ist der Keim des Untergangs, der sich vollzieht.'" [What a scurrilous, disgusting quote.] Accordingly: "Das Zusammentreffen des Bekenntnisses zu `absoluter Dichtung' mit der militanten politisch reaktion„ren Haltung machte Gottfried Benn in idealer Weiser zur Legitimationsfigur einer Moderne mit politische Zweckdienlichkeit. So konnten ihre bis dahin beargw”hnten Zge -- Žsthetizismus, Isolierheit und Esoterik -- politisch in Dienst genommen und den Schriftstellern zugleich ein avantgardistisches Image zugebilligt werden." Models for the artists of the BRD in the 50's: Mallame, Rimbaud, Baudelaire, Valery, the Surrealists. Realism discredited int he BRD during this time. Thus depoliticization of art and movement into modernist Hermeticism all part of a political program to neutralize art as a political force against capitalism. 40-41. BRD artists/critics denigrated "Wirklichkeit" in art, using it only in derogatory constructions such as "Wirklichkeitszerstmmerung," "Wirklichkeitsdeformation," and "Wirklichkeitsreduktion." [Hence DDR art is to some extent a reaction against the western orientation, or is it the other way around?] 41-42. According to the SED III. Parteitag in 1951 (quoting): "Die neue demokratische deutsche Kultur wird dem ganzen werkt„tigen Volke helfen, den [42] Weg zum Frieden, zur fortschriftlichen Entwicklung und zur demokratischen Einheit Deutschlands zu beschreiten, sie wird den Werkt„tigen Begeisterung, Mut und optimistische Zuversicht in diesem Kampfe geden." [Barf. Quoted only as an example of the drive toward "optimism" that still shows up in the critical literature as a touchstone.] 44. The III. Parteitag set up the Realism/Formalism distinction as the main question for literary debate and practice. The distinction, however, was a political necessary one, not something derivable from current artistic practice. "Eine solche Folgerung war kaum aus dem Realen Stand der knstlerischen Produktion abzuleiten. Sie kam vielmehr auf dem Wege eines zweifachen Rckschlusses zustande: zum einen aus der notwendigen Abgrenzung gegen die brgerliche Kunstideologie, zum anderen aus der Ablewitung erkenntnisfeindlicher Tendenzen aus dem Gebrauch moderner knstlerischer Mittel." 46-47. Various views of the relation of form to content, reality and form, etc. Critique of Nedoschiwin, Socialist Realism, and Lukacs as all idealistic, rather than properly materialistic. 47. [Re: Nedoschiwin and Lukacs.] "In beiden F„llen wird die knstlerische Einkleidung einer von der Wirklichkeit adstrahierten Idee als Grundlage der gestaltung angesehen. Dahinter steckte -- wie bei den meisten mechanistischen Ansichten -- nicht allein ein „sthetischer Irrtum, sondern eine undialektische Auslegnung wichtiger Grundfragen des Marxismus: Sozialistisches Bewuátsein wurde aks ein feststehende Doktrin aufgefaát statt als ideelle Form der wirklichen Bewegung und Funktion der Praxis. . . . So wurde die dem Realismus immanente Parteilichkeit in dem Sinne verstanden, daá vom Knstler Abbilder einer idealisierten Wirklichkeit verlangt wurden. Erst durch diesen der Wirklichkeitsaneignung vorgelagerten Filter geriet Kunst zur Illustration vorgepr„gter Wahrheiten, und das engte auch die Wirksamkeit des Gegenwartsthemas ein. Die rezeptive Aktivit„t wurde mit der Berufung auf nachzuahmende Vorbilder eingeschr„nkt, der Akt der Kommunikation zu dem einer Konsumtion abgewertet." [A strong denunciation of the obvious failings of crudely idealized, propagandistic political literature.] 48. [More on the mistakes of "Realismus"-requirements.] "Mit der Forderung, der Knstler msse eine `Illusion' des Lebens schaffen, indem er das Resultat seiner Erkenntnis inbildlich- sinnf„lliger Form wiedergibt, wurde mit `Realismus' ein Prinzip der Kunstlosigkeit nahegelegt. Der Vorwurf des Formalismus bezogsich zwar auf den Gebrauch bestimmter Mittel, lief aber letztlich auf das Vardr„ngen von Darstellungsweisen hinaus, bei denen Produzenten und Rezipienten sich mittels der Sprache der Kunst in einem Wechselseitig-dialogischen Verh„ltnis ber Wirklichkeit verst„ndigen konnten." Brecht's procedure of laying open the artistic structure of his plays, hence of thorough self-reflexiveness, is given as a contrast to this fear of open dialogue between reader and author. View of artist as "Sinngeber der Wirklichkleit" denounced as a pre-marxist relic to be attacked by socialist avante-garde artists like Brecht. 49. 1956, IV. Schrifstellerkongreá marks turnaround and clarification of confusion ensuing from the Realism/Formalism debate. 50. Development in the 60s/70s marked by influence of international socialist avante-garde (Majakowski, Aragon, Neruda, Eluard, Lorca, Nezval, Brecht, Jozsef), by rediscovery of the tradition of earlier German proletarian/revolutionary literature, and by a new orientation toward "Erfahrundwirklichkeit" among a new generation of DDR writers (Kant, Wolf, Bragitte Reimann, de Bruyn). 51. [On the recent evolution of the term "realism" after its widening earlier in the 60s.] "Die unter dem Gegriff `Realismus' verhandelten Probleme geh”ren demnach nicht prim„r in den Fragenkreis, wie Kunst und Literatur -- allgemein begriffen als `Erzeugen, Vergegenst„ndlichen der „sthetisch produktiven Kr„fte' -- ihre Abbilder vom Leben bauen, sondern sie betreffen deren `Funktionshorizont' im Kontext eines `revolution„ren Geschichts- und Gesellschaftsverst„ndnisses'. Realismus als eine `genetisch-funktionale Kategorie', als Wertbestimmung von Kunst und Literatur im Klasseninteresse des Proletariats muá seine Berechtigung somit nicht auf dem Umweg ber die Beantwortung der Grundfrage der Philosophie legitimieren. Vorausgesetzt, der Bezug zwischen Kunst und Wirklichkeit ist durch eine dialektisch-materialistisch Abbildtheorie gekl„rt, wird Realismus zu einer Kategorie des historischen Materialismus, der Parteilichkeit und sozialen Wahrheit." 52. Recent redirection of attention to questions of reception. "Die Idee, den Begriff `Realismus' als Bezeichnung fr die soziale Qualit„t von Aneignungsweisen zu nehmen, verweist wiederum auf einen gemeinsamen Denkansatz mit der heutigen Literaturtheorie -- so, wenn Rita Schober 1980 vorschl„gt, den Realismusbegriff auch auf die Rezeption anzuwenden. Analog dazu findet sich in Peter Weiss' fiktiver Žsthetik ein rezeptions„sthetischer Vorschlag: ein Modell m”glicher Aneignung von Picassos `Guernica' durch ein Arbeiterpublikum."