Der fremde Freund: Review articles, Western Dailies/Weeklies Die Zeit. Nr. 46 (11.11.1983). By Rolf Michaelis. P. 1. "Leben ohne zu leben: Christoph Heins erstaunliche Novelle Drachenblut." "So viele Ausdrcke der Verneinung und Verweigerung wird man in einem schmalen Band nicht gleich wiederfinden. Der Erz„hlfluá staut sich immer wieder an einem Wehr aus W”rtern, die mit den abwiesenden Vorsilben `un-', `ver-' oder `zer-' einen Wall gegen die Versuchungen des Lebens, der Lebensfreude aufschtten: `umsonst', `unansprechbar', `unzufrieden', `schttlete den  Kopf', `unangenehm', `unglcklich', `nie verstanden', `niederschlagen', `verraten', `unentschlossen', `verweint', `unansprechbar'. Und immer wieder die mde gekeuchte Silbe fr den groáen Frust: `(weiá) nicht, (will) nicht, (kann) nicht'." ON THE CENTRAL MEMORY: "Dieses seltsame, zu wiederholtem Lesen verfhrende Buch beginnt, nach einem Prolog, mit einer Friedhofsszene: Widerstrebend erinnert sich Claudia and das stundenweise Zusammenleben mit dem toten Freund, der den lebenskr„ftigen Namen Henry Sommer fhrte. Dreizehn mehr oder weniger gleich lange Kapitel (zwischen 4 und 16 Seiten) weiten sich im neunten in eine groáe schmerzliche Erinnenrung. Da werden die verletzungen erz„hlt, die Claudia in ihrer Jugend erlitten hat. Und von hier aus, von dem gegen das Ende gerckten Zentrum der Erz„hlung, wird verst„ndlich, weshalb Christoph Heins Novelle eine Geschichte des Schweigens ist. So schmerzend genau hat bisher nur Einar Schleef erz„hlt, wie und weshalb Menschen in der DDR, wegen ihrer šberzeugung,, ihres Glaubens oder ihres politischen Treue verfolgt und zum schweigen gebracht worden sind. Heins Geschichte wird zur Dokumentation einer Sprachlosigkeit, die bis heute das Leben in der anderen H„lfte Deutschland bestimmt." "Das poltische Verstummen einer ganzen Generation, eines ganzen Landes, beschreibt Christoph Heins Erz„hlung auch. Und wie die Unf„higkeit zur Liebe, zur Hingabe mit einer -- aus politischen Grnden -- zerst”rten Freundschaft zusammenh„ngt, das ist so wortkarg beredt noch nicht erz„hlt worden. "Politik und Erotik. Nur geahnte Zusammenh„nge und Schmerzen deutscher Politik nach 1945: auch sie werden von Christoph Hein auf neue Art beschrieben. "Falsch w„re es, dieses Buch als ein Klagelied ber die Verh„ltnisse in der DDR miázuverstehen -- wozu der westdeutsche Titel, `Drachenblut', verfhren k”nnte. Dies ist, so deprimierend der `Inhalt' sein mag, ein `positives' Buch: weil aller Schmerz aufgehoben ist in Kunst. Sind dialektisch geschulte Autoren der DDR da weiter als manche, nur mitleidsschtig im Elend grndelnden Autoren des Westens? Claudia, Photos betrachtend, die toten Landschaften spiegeln, erkennt: `Ihnen fehlt das Verwelken, Vergehen und damit die Hoffnung.' "Aus dieser Hoffnung, die aus Vergehen blht, lebt dieses Buch." ***************** Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nr. 216 (17.3.1983). By Uwe Wittstock. "Letzte Liebe in der Seelenwste: Die Novelle `Drachenblut' der in der DDR lebenden Schriftstellers Christoph Hein." (Subtle prejudice evidenced by the phrase "in der DDR lebenden Schriftsteller" instead of "DDR-Schriftsteller." If we like them, they really are ours, I suppose.) "Spatestens bei Reflexionen wie dieser, die sich gegen Ende des Buches h„ufen, wird offensichtlich, daá Claudia fr Hein vor allem anderen ein abschreckendes Beispiel ist. Gewiá, er richtet seine Figur nicht, er fhrt sie vor, l„át sie ihr Herz ausschtten und hat auch durchaus Mitgefhl mit ihr. Doch indem er ihren Lebensweg darstellt, weist er zugleich mit erhobenem Zeigefinger darauf hin, daá es sich bei diesem Weg um eine Sackgasse handelt. Und dieser Nachweis gelingt ihm leicht, da seine Rollenprosa eher rhetorischer als erz„hlerischer Natur ist: Hein schlpft in die Haut seiner Negativ-Heldin und bringt sie (mit groáem Gespr fr den richtigen Tonfall) zum Sprechen -- nicht aber zum Leben. Sie sagt kein Wort, das er nicht h„tte h”ren wollen, das ihm nicht in sein didaktisches Konzept gepaát h„tte. Zudem erlaubt er Claudia kaum ein Wort, das ber ihre Žngste hinausginge. Selbst von Henry sind nicht viel mehr als Schemen erkennbar, und sein Ende -- er wird von einem Jugendlichen im Streit erschlagen -- wirkt wenig berzeugend." "Eine `unerh”rte Begebenheit' schildert Heins Buch sicherlich nicht, sondern eine Psychische Verkrppelung, wie sie in den Industriegesellschaften unserer Zeit allt„glich geworden ist. Daá man sich aber an ein solches Schicksal in Ost und West schon nahezu gew”hnt hat und es oft genug kaum noch wahrnimmt, ist vielleicht doch unerh”rt." ***************** Stuttgarter Zeitung. Nr. 285 (10.12.1983). By Karl Corin__. "Liebe zu M”beln statt zu den Menschen: Das Maá der Kunst ist der gellender Schrei -- Christoph Heins Novelle `Drachenblut'." "Nicht einmal im Bett kommunizieren Heins Menschen miteinander. Nicht einmal dort k”nnen sie den Panzer der Gleichgltigkeit, der seelischen Berhrungsscheu abwerfen." "In einzelnen, etwa in der Beschreibung des 17. Juni (den der Autor noch im Westen erlebte; er kam erst 1960, als Sechzehnj„hriger, in die DDR), ist Hein eher abwiegelnd, reportiert er die guáeisernen Ondits der Partei: so, als w„re damals eigentlich nicht viel gewesen. Aber vielleicht erlaubte gerade das getreue Nachbeten solcher Legende die gr”áere Freiheit im Ganzen: die Schilderung eine erstickenden Lebens bei „uáerer Unversehrtheit." (Inaccurate about the biography. Politically biased.) Deutschland Archiv. 17 (1984). Pp. 192-194. By Hans-Peter Klausenitzer. "Das enteignete Sein." (Psychoanalytic reading of the book -- Fromm, Freud.) 192. "Aber die Bilanz dieser Lebensrechnung ist ausgeglichen. Denn was dem Sein mangelt, wird durch den Besitz ersetzt. Das Sein als Existenzform anteilnehmenden Erlebens, einer aktiven und authentischen Beziehung zur Welt wird vom Gestus des Habens verdr„ngt, des Besitzergreifens. Erich Fromm definiert diese Existenzweise des Gesellschaft-Charakters als eine Beziehung zur Welt, `in der ich jedermann und alles, mich selbst mit  eingeschloáenen, zu meinem Besitz machen will.'" (Regarding Claudia's near-the-end litany.) "Abgesehen von der Unglaubwrdigkeit der wiederholten Beteurung, wie gut es ihr gehe, verr„t die stereotype Ausdrucksweise -- dieses beharrliche `Ich bin' -- eine „ngstliche Vergewisserung der seelischen Existenz und zugleich die uneingestandene oder unbewuáte Entfremdung des Ichs. Denn die Aufz„hlung `Ich habe . . . ich habe alles' verdringlicht die Beziehung des Ichs zum N„chsten, vereinnahmt sie als Beistz, ber den man verfgen kann und der zur Verfgung steht. Und weil das Ich ein Teil dieser Sachbeziehung ist, ver„ndert es zum Es." 193. "Die Entsprechungen zwischen Heins TExt und sozialpsychologischen Theorien Erich Fromms sind erstaunlich, aber verst„ndlich; lieferte Fromm doch die Beweise, daá Freuds Psychoanalyse und der historische Materialismus methodisch integrierbar sind. šberraschend ist die unbedenkliche Verwendung psychoanalytischer Begriffe wie Verdr„ngung, Triebunterdrckung und von Symbolen, die Freuds Thesen vom Unbewuáten veranschaulichten -- ungew”hnlich zumindest fr eine literarische Arbeit, die in der DDR entstand und erschien. Es h„ufen sich Hinweise auf den Konflikt zwischen Lust- und Realit„tsprinzip, den Claudia durch Abwehrmechanismen zu l”sen versucht, durch Gefhlsk„lte, gew„hlte Bindungslosigkeit, manische Ersatzhandlungen, mit denen sie einen letzten Kontakt zur Umwelt sucht (z. B. das Fotografieren unbelebter Natur)." 194. "Mit dieser Novelle ist Christoph Hein der Versuch geglckt, Lebensumst„nde in der DDR durvh die Deformation eines Menschen zu schildern, der sich anpaát, sich enteignen l„át. Die indirekte Methode der Beschreibung erm”glicht Einsichten in die Verinnerlichung des Konflikts zwischen dem einzelnen und der GRuppe, des Gegensatzes zwischen dem festen Grund der Tatsachen und der unauslotbaren Tiefe des Ichs. Erkenntnisse der analytischen Sozialpsychologie vermitteln sich also nicht nur durch die Sprache, sie pr„gen auch Form und Struktur diese unvergleichbaren Novelle." (Useful more as an article than as a review. Certainly good on the business of Verdr„ngnis.) ***************** Saarbrcker Zeitung. Nr. 58 (8.3.1984). P. 7. By Heinz Mudrich. "Žrztin, geschieden, keine Klagen: Novelle aus der DDR, im Westen ausgezeichnet: Christoph Heins `Drachenblut'." (Western-biased irritation with Hein's political plays and non- realism? Patronizing tone, especially on DDR-Alltagsleben.) "Was ist nun das Besondere an dieser Geschichte? Zun„chst einmal gewiá, das ein Schriftsteller, der bislang in etlichen Texten seine philosophische Denkart ausgedrckt hat, pl”tzlich fast fr jedermann schreibt. Mit anderen Worten: In Christoph Heins Text gibt es keine Passagen, die `Achtung, Literatur!' sagen. Sondern hier scheint Allt„gliches den Ton anzugeben. Frden Leser ist es lediglich empfehlenswert, ein wenig den sozialen Hintergrund zu kennen, vor dem dieser Btricht einer Žrztin l„uft, ein Lebensbericht aus dem anderen deutschen Staat. Man wird daran erinnert, daá es dort eine Wohnungskommission gibt, daá ein Mietervertretung alles Verd„chtige dem Staat melden soll, das Autos auf dem verdeckten freien Markt fr den doppelten Taxwert gekauft werden, daá in der Kirche Dichterlesungen stattfinden und daá zugleich das christiliche Bekenntnis Schwierigkeiten beim beruflichen Vorankommen machen kann. Oder auch, daá fr eine Reise ans Schwarze Meer zwei Jahregespart werden muá." (In other words there is no relevance of the depicted society to any society in the West? Surprising smug assessment, as though everything could be explained in such material terms, or by vacations.) (This critic is principally concerned with showing how bad life is in the GDR.) "Ein Beleg fr die inzwischen nicht mehr zu verheimlichende Tatsache, daá die Gewalt ebenso wie der Alkohol (und die Kriminalit„t) drben im Alltag vordringen." (Not drben wie hben?) "Žrzte verdienen im brigen im staatlichen Gesundheitssystem der DDR nicht ann„hernd so viel wie ihre westliche Kollegen. "Christoph Hein gibt offene Ausknfte ber den anderen deutschen Staat. Er l„át erkennen, wie oft doch die Entwicklung drben der hiesigen trotz aller gesellschaftlichen Unterschiede auch ins Negative folgt, und zwar selbst dort, wo der Marxismus den enuen Menschen geschaffen haben sollte. Da gibt es wie bei uns Verdr„ngungen aller Art, mit denen viele DDR-Brger auf die Umwelt reagieren, ein Chefarzt wird mit seinem pers”nlichen Problemen kaum fertig, und der Aufstand der Frauen gegen die sexuelle Herrschaft der M„nner . . . ist in vollem Gange. Und das, obwohl in der DDR zweifellos die sich in beruflichen Chancen und in Lohn ausdrckende Gleichberechtigung erheblich weiter ist als bei uns." (Finally something positive. But not for long.) "Eine Geschichte der abgepolsterten Resignation in einer Funktionier-Gesellschaft." ******************* Sddeutsche Zeitung. Nr. 235v. (12.10.1983). S. 4. By Konrad Franke. "Nicht glcklich, aber Zufrieden." (On structure:) "Den Text, den Christoph Hein in Form einer Novelle aufgeschrieben hat, beginnt mit einem Traumprotokoll: Zwei Menschen mssen ber einer Brcke, die nur noch aus zwei Balken besteht. Sie stehen mitten auf der Brcke und wissen: wenn sie hinuntersehen, sind sie verloren. Da kommen ihnenmL„ufer entgegen, sie sind jung, mit strahlenden Gesichtern laufen sie ber den anderen balken. Versp„tet werden ihre Schritte h”rbar. Der Traum wird exakt in der H„lfte der Novelle noch einmal zitiert. "Das neunte der dreizehn Kapitel ist das l„ngste. Es markiert die Grenze zwischen den ersten beiden Dritteln und dem letzten Drittel der Novelle. Claudia f„hrt in den Ort, in dem sie ihre Kindheit verbracht hat. Der Kindheitsort ist, wie immer, kleiner, sch„biger als sie dachte, sie erkennt Menschen, wird aber selbst nicht erkannt, es fallen ihr Geschichten zu den Menschen ein, nicht nur tr”stliche." ***************** General Anzeige. Nr. 28 519. v.3.11.1983. S. 32. By M.R. "Kaltbltig." "Es spielt keine Rolle, daá Hein die Handlung in die DDR gelegt hat. Die Kulisse ist kaum erkennbar. Das Problem ist berall dasselbe: šberleben, ohne dabei das Leben zu lassen." **************** ?????? Post. Nr. 2 (20.1.1985). S. 25. By K.T. "Wer dieses Buch gelesen hat, muá fragen und wird wissen, in welchem `Drachenblut' uns allen etwas von jenem dicken Fell der Žngste, des Miátrauens und der Frustrationen w„chst, das die Ich-Erz„hlerin gnadenlos von sich selbst, von der Welt, von ihrem Freund, von ihrer Kindheit trennt." ***************** Die Weltwoche. Nr. 4 (26.1.1984). S. 39. By Klara Obermller. "Das Leben wird doch eine Pointe haben: Gedanken zur Novelle `Drachenblut' von Christoph Hein." (Where is this paper from? Switz?) (On the generation differences in the GDR.) "Christoph Hein erz„hlt in seiner Novelle `Drachenblut' die Geschichte einer Frau, die fr viele steht in diesem Land, das, `auferstanden aus Ruinen', aus dem Nichts wieder anfangen musste, jahrelang nicht anerkannt wurde, mittlerweile jedoch auch von seinen Gegnern nicht mehr zu bersehen ist. Die Generation von Claudia und auch von Christoph Hein selber hat diesen Aufstieg miterlebt, ohne aktiv daran beteiligt gwesen zu sein. Sie ist in relativen Wohlstand und trgerische Sicherheit hineingewachsen, nicht viel anders als ihre Altersgenossen in der Bundesrepublik; antifaschistischer Kampf und Wiederaufbau sind fr sie blosse Vokabeln aus dem Erinnerungsschatz der Eltern. Sie k”nnen's schon nicht mehr h”ren und wollen nicht l„nger dafr verantwortlich gemacht werden, dass ihnen die historische Stunde keine Gelegenheit zu k„mpferischen Einsatz gegeben hat." "Aufmerksam wurde man auf ihn bereits durch seinen ersten Prosaband, `Nachtfahrt und frher Morgen', und darin vor allem durch die brillante `Einladung zum Lever Bourgeois', in welcher der Dichter Racine sich seine Gedanken zu Leben und Politik macht. Darin findet sich die h”chst aufschlussreiche Passage, in der es heisst: `Nur Idioten und Kinder verwundern sich ber die Welt. Die Bestialit„t der Polizei, der Armee ist abscheulich, ekelhaft, aber untauglich zur Meidtation. Allenfalls fr ein Gespr„ch mit gleichermassen Entt„uschten: eine Andeutung, eine ironische Bemerkung, ein verzweifeltes Lachen, Character en passant, man weiss. Vielleicht ist die F„higkeit, ein Verbrechen schweigen zu k”nnen, die Bedingung der menschlichen Rasse, in Gesellschaft zu leben.' "Da klingt es dann wie fernes Echo, wenn in `Drachenblut' die S„tze fallen: `Offenbar erfordert das Zusammenleben von Individuen einige Gitterst„be in eben diese Individuen. Die dunklen Kerker unserer Seele, in die wir einschliessen, was die dnne Schale unseres Menschseins bedroht. Ich verdr„nge t„glich eine Flut von Ereignissen und Gefhlen, die mich demtigen und verletzen. Ohne diese Verdr„ngungen w„re ich nicht f„hig, am Morgen aus dem Bett aufzustehen. Gitter, die uns vom Chaos trenne.'" "Christoph Hein trifft in seiner Novelle das Lebensgefhl vieler seiner Zeitgenossen -- Dorothee S”lle hat es einmal die Banalit„t der fehlenden Transzendenz genannt. Wer es fr DDR- spezifisch erkl„rt, macht sich die Sache zu einfach." ******************* Neue Zrcher Zeitung (Fernausgabe). Nr. 252 (29.10.1983). S. 45. By M.V. "Die lange Schatten der Vergangenheit." "Nach einem zentralen, ausserordentlich Ereignis, das die Gattungsbezeichnung Novelle unzweideutig erkl„ren k”nnte, sucht man dabei vergeblich. Was Claudias Leben in dieser Phase kennzeichnet, ist gerade die Ereignislosigkeit, das Fehlen jeder Erschtterung." (???? She just lost Henry, I thought.) Further, though: the event must be the eventlessness, the remoteness of this sort of existence form "life". "Aber auch dieses Geschehen (the breakup with Katerina) wird von Hein nicht novellistisch, als dramatisches Schlsselerlebnis geschildert, sondern es bleibt eingebettet in eine viel umfassendere und differenziertere Selbstbeobachtung und Selbstanalyse des sprechenden Ichs. Und eben darin bew„hrt sich Heins erz„hlerische und psychologische Konsequenz: Claudia bleibt, in all ihrer H„rte und Verweigerung, eine komplexe, vielschichtige Figur, bedroht nicht nur von ihrer Vergangenheit her, sondern auch von der Gegenwart, als Teil einer Umwelt, die trotz gewissen Lokalfarben mehr durch ihre Anonymit„t und Auswechselbarkeit als durch ihre Ortsgebundenheit charakterisiert wird. "Doch so viele psychische Facetten der Monolog aufdeckt: deutliche, greifbare Konturen gewinnt die Frau dabei nicht. Denn zwischen der Pers”nlichkeitsanalyse und der Pers”nlichkeitsdarstellung klafft ein Widerspruch: Der aus Selbstschutz oberfl„chlichen und zur Verdr„ngung ihrer Verletzungen und Aengste entschlossenen Aerztin traut man eine derart geschuldige, systematische Selbsterkundung gar nicht zu, und erst recht nicht den Hang zu Wortreichen, poetischen Formulierungen. So wirkt denn die Figur bis zuletzt mehr als minuzi”s konstruiertes psychologisches Modell denn als Person, und ebenso wie ihre Freunde und Eltern h„lt sie auch ihre Zuh”rer auf Distanz." (Seems a silly complaint; of course the depiction is a device. Not that it is so unconvincing as this reviewer thinks -- the personality is first and foremost a rationaliszing one -- hence the essays, which Hein views as central to the book.) ******************* Die Presse. Nr. 10703 (19./20.11.1983). S. 6. By Konrad Holzer. "Lust und Verlust der Liebe." "Christoph hein beginnt seine Novelle mit einem Traum, und man weiá, ohne daá Worte fallen, die das begrnden k”nnten, daá es eine Tr„umende ist, man sprt es einfach." (Is this person stupid or stupid?) (In general, the article sees the book as a love story. -?????) ******************* Frankfurter Rundschau. Nr. 234 (Zeit und Bild). (8.10.1983). S. 4. By Stephen Reinhardt. "Vom Schweigen und Verswcheigen: Christoph Heins wichtige Novelle `Drachenblut.'" Dream interpretation: "Man kann diesen vorangestellten Traum als eine kurze bildhafte Interpretation, als Schlssel zum Schloá der nun folgenden Er„hlung verstehen: Auf der eine Seite die Wirklichkeit, die alles Tr„umen, Wnschen und Selbsterkennen einebnet; auf der anderen Seite, hervorgerufen durch ebendiese Realit„t, das Verlangen, das Geschehen unterhalb der Oberfl„che, das eigene Ich, den Abgrund, kennenzulernen. Doch dazu kommt es nicht, der Traum bricht ab." (Dream as key to action of book, namely, the conflict between self and society, and the unsuccessful quest to know the latter.) Book narrates everyday life specifically of the GDR society and state, all centered around the reminiscence of the lost Katharina. Importance of Freud, regarding in particular Katharina: "Schon in der Schulzeit, in der Freundschaft zu einer politisch miáliebigen Mitschlerin, hat sie gelernt und lernen mssen, ihre Gefhle zu unterdrcken, zu schweigen und zu verschweigen. Christoph Hein hat dem in einer freudianisch inspirierten Passage einen allgemeinen philosophischen Hintergrund gegeben: `Was soll es helfen, Verdr„ngungen bewuát zu machen. Verdr„ngungen sind das Ergebnis einer Abwehr, das Sichwehren gegen eine Gefahr . . . Ein Lebewesen versucht zu berstehen, indem es verschiedene Dinge, die es umbringen k”nnen, nicht wahrnimmt . . . Die dunklen Kerker unserer Seelen, in die wir einschlieáen, was die dnne Schale unseres Menschseins bedroht.'" (Interesting to note that this is parody of Freud, not Freud himself. Freud certainly was not in favor of more deeply repressing the repressed. This is all rationalization, and doesn't even describe the real activity of the book, which is dialectical -- repression, un-repression. The reviewer properly notes that Claudia's world view is a product of her weakness.) Book is purely a GDR book: "In Christoph Heins Erz„hlung . . . ist von einer gesellschaftlichen, von der Gesellschaft getragenen Utopie kaum noch etwas zu spren. Was aus dem Spiegel . . . zurckscheint, hat nichts mit einem gesch”nten Abbild zu tun: sich langweilende Jugendliche, die Anonymit„t menschenfeindlicher Wohngettos, die Vereinsamung des Alters, m„nnliche Aggressivit„t, Karrierismus. Allein fr Claudias Vater, einen alten Kommunisten, stehen `Politik und Betriebsprobleme' noch im Mittelpunkt. Miátrauisch blickt er deshalb auf seine an Politik uninteressierte, in der Routine ihres Berufs versinkende Tochter, in der Furcht, daá diese Generation verspielen wird, wofr er gelebt hat. "Das Verlangen und die Bereitschaft, `Grundwidersprche' zu `nichtantagonistischen' zu entsch„rfen und `Probleme' zu l”sen, ist in Heins Hauptfigur erloschen und der resignativen Einsicht gewichen, daá `wirkliche Probleme' nicht zu l”sen sind: `Man schleppt sie sein Leben lang mit sich herum, sie sind das Leben, und irgendwie stirbt man an ihnen.' Anders gesagt: Wirklichkeit, das bedeutet die immerw„hrende Existenz unaufl”slicher Widersprche -- auch im `realen' Sozialismus. Vom begeisterten Idealismus der Aufbaugeneration hat sich nur noch diffuser Materialismus erhalten; die solidarischen Gefhle von einst sind zusammengeschrumpft zu Miátrauen und bloáer Selbstabsicherung. [Reviewer seems to think that Hein is in full agreement with Claudia on the matter of resignation. In Horns Ende that possibility of this interpretation is more clearly removed. Even so, internal evidence of irony argues the other way, and the hopelessness-effect the book creates in the reader means something as well. However, this kind of resignation is a real fact in the GDR, and Hein does believe that new systems bring new problems. One must be very careful in positioning him within ideology and contemporary history -- to say he is hopeless is a mistake, just as it is in the more extreme case of Heiner Mller, who is dark indeed, yet keeps writing.] "Die Glaubwrdigkeit und Faszination, die von dieser Erz„hlung ausgehen, h„ngen sicher damit zusammen, daá Christoph Hein Probleme und Widersprche im anderen Teil Deutschlands nicht verschweigt, sie vielmehr offen an- und ausspricht. Sie hat vor allem aber auch mit Heins literarischer Kunstfertigkeit zu tun, mit seiner klischeefreien Sprache, in der er uns, facetenreich und gefiltert durch das Bewuátsein einer Ostberliner Žrztin, mitteilt, wie und weshalb sich da jemand vor sich selbst und der Gesellschaft schtzt, und nicht den Sprung ins Ungewisse, ber den Abgrund wagt." (No acknowledgment at all that the book has applicability to Western society.) ***************** Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt. Nr. 51. (V. 18.12.1983). S. 22. By Gabriele Kreis. "In diese Haut dringt nichts mehr ein: Christoph Hein: Drachenblut -- die karge und kunstvolle Geschichte eines Lebens am Leben vorbei." Reviewer misses the fact that C. has a new "Freund" at the end; the book is cyclic. She is more dreadfully trapped than to simply be cut off from life, as he reviewer says. Book could be as powerful in the BRD as in the DDR. Reflections on the genders of the author and his charaters: "Sie, die Frau, die unsentimentale Ich-Erz„hlerinvon eines Mannes (!) Gnaden wird weiterleben mssen, `auf alles eingerichtet, gegen alles gewappnet, durch nichts mehr zu verletzen'. Ein Leben ohne Affekte. Ihm, dem Mann, g”nnt Hein wenigstens den Tod im Affekt. "Villeicht ein Spezialfall m„nnlicher Solidarit„t mit dem eigenen Geschlecht, bestimmt aber (und dasist wichtiger) die perfide Pointe eines in weiten Teilen brillant-b”sen Buches, dessen wenige Schw„chen in seinem speziellen Reiz begrndet liegen: Die Ich-erz„hlte Geschichte schrieb ein Mann; und das durchaus unaufdringlich-einfhlsam, solange es um die Schilderung ihrer Auáenwelt geht. Problematisch sind seine (allerdings seltenen) Ausflge in ihr Innenleben. Dann st”át er an die Grenzen seines Einfhlungsverm”gens, und an die Stelle weiblich-sinnlicher Erfahrungen treten Klischees und Medizinmann-Weisheiten. Wen wundert's? Der Mann weiá nicht Bescheid. Trotzdem schade. Und erstaunlich bei einem sonst so stilsicheren Autor wie Christoph Hein." [A suspect argument; are we to privelege such an individual claim about "weiblich" subjectivity? And what is the object of the complaint, the guilty passages of subjectivity? The Claudia essays? Silly stuff, too, about male solidarity. This is the source apparently for the interview remark about the relatively sympathetic treatment Henry gets (being allowed to die.) On the subject of cliches (no examples given), compare the remark in the Frankfurter Rundschau to the effect that Hein is cliche- free.] ***************** Rheinische Merkur / _____ und Welt. Nr. 41. (14.10.1983). S. 35. By J”rg Bernhardt Bilke. "In der DDR verboten: Laufen, um nicht hinzufallen: Lindenblatt und Drachenblut: Christoph Heins Novelle." Rpt. in Neue Deutsche Hefte. 30, iv (1983): 833-835. Most interesting of all for the headline in the Rheinische  Merkur -- "In der DDR verboten"!! This stems from this sentence: Daá diese als Lob gemeinte Zuordnung berechtigt ist, erf„hrt man beim Lesen des zweiten Prosabuches des als Dramatiker bekannt gewordenen Autors, der Novelle `Drachenblut', die, im Vorjahr unter dem Titel `Der fremde Freund' im Ostberliner Aufbau-Verlag erschienen, in der zweiten Auflage schon wieder verboten wurde. The reprint of the article in NDH reads: Daá diese als Lob gemeinte Zuordnung berechtigt ist, erf„hrt man beim Lesen des zweiten Prosabuches des als Dramatiker bekannt gewordenen Autors, der Novelle `Drachenblut', die im Vorjahr unter dem Titel `Der fremde Freund' im Ostberliner Aufbau-Verlag erschienen ist und in der zweiten Auflage wieder angeboten wurde. Did the situation change between versions of the article, or is this the result of an editorial error? If the latter, then it is quite a telling error, since it led to the headline decision. Compare the two conlusions as well: Diese und „hnliche, politisch interpretierbare Zusammenh„nge m”gen dazu gefhrt haben, daá die zweite DDR- Auflage nicht mehr ausgeliefert wurde. Die Schilderung eines Massenbes„ufnisses in der Werkskantine etwa entspricht keineswegs dem Bild des `sozialistischen Arbeiters.' Aber Schon die pessimistische Grundstimmung, die der Novelle ihr Timbre gibt, ist eigentlich `sozialismusfeindlich'. The NDH version begins: Diese und „hnliche, politisch interpretierbare `Stellen' m”gen dazu gefhrt haben, daá die zweite DDR-Auflage doch nicht ausgeliefert wurde. OK then, if distribution of the second edition really was forbidden, why the change in the opening paragraph of the second version of the article? Did the reviewer decide that it overstated matters to say that the book had been "forbidden"? It certainly is more accurate in the second version, which demonstrates the grayness of many GDR cultural policies. [Following quotes from reprint.] Claudia's life should not be taken as typical of the GDR; she is quite isolated, etc. The events of the book could easily be taken for events in the BRD, but for the descriptions of specific landscapes. Nonetheless, the book occasionlly engages DDR-Specific themes, which outsiders "wenig verstnden". For example, the Bochum- professor scene. ***************** Titel. 2/84. April/Mai. Vol. 3. S. 30-31. By Manfred J„ger. "Die Vorteile der Illusionsarmut." Re: "Ein Album Berliner Stadtansichten." -- "Auch die Episoden, die nach oberfl„chlicher Denkgewohnheit `gut ausgehen', sind todtraurig, obwohl der Autor Sentimentalit„ten nirgendwo zul„át." "Diese khle Erz„hlhaltung hat Christoph Hein in seiner neuesten Geschichte, die bei Luchterhand unter dem Titel Drachenblut erschien, noch radikalisiert." Claudia's philosophy: "Wer klug ist, geht folglich kein Risiko ein. Denn das reibungslose Funktionieren ist das eigentliche Ideal der Gegenwart." "Der westdeutsche Leser, der die Probleme seiner Industriegesellschaft und der ihr zugeh”rigen Zivilisationsstufe wiedererkennt, sollte das DDR-Spezifische dennoch nicht berlesen. Die Heldin sieht einen wichtigen Grund der Misere, die sie nicht eingestehen will, in dem von den Erwachsenen erzwungen Verrat an einer christlichen Mitschlerin, ihrer einzigen Freundin Katharina, die als politischer Gegner verteufelt wurde. Kein Wunder, daá Heins Novelle die DDR-Kritik aus politischen Grnden polarisiert." "Die ideologischen Gegner, die Hein schon immer ermahnt haben, sich endlich ein optimistisches marxistisches WEltbild zuzulegen, kommen nicht umhin, widerwillig seine sprachliche Meisterschaft zu best„tigen. Sie rgen das pessimistische Weltbild, vermissen das Positive, regen sich darber auf, daá der Erz„hler sich nicht von seiner destruktiven Figur distanziere und „uáern ihr Erschrecken, daá sogar Studenten in den germanistischen Seminaren sich in der Žrztin wiederfinden. Aber es gibt auch enthusiastische Befrworter des Buchs. Beide Positionen kommen in der Rubrik `Fr und Wider' der Zeitschrift `Weimarer Beitr„ge', Heft 9/1983 zu Wort. Allerdings wird die Gegnern mehr Platz einger„umt, die dem Autor vorhalten, er habe aufgrund seiner unreifen Weltanschauung ein nicht verallgemeinerungswrdiges Zerrbild der sozialistischen Ordnung gezeichnet. Ihnen hat der Autor in seinem Buch vorwegnehmend geantwortet, als er seine Žrztin Claudia ironisch sagen lieá: `Natrlich ist das alles von mir bertrieben, zugespitzt, subjektiv, unhaltbar. Eine verstiegene, private Ansicht, ohne ausreichende Kenntnis der wirklichen Probleme." [A nice, funny bit of reading, this last.]